
Die Gründung des Gummersbacher Turnvereins (GTV) im Jahre 1861, der später als VfL Gummersbach weltweit bekannt wurde, ist ein Meilenstein in der Stadtgeschichte. Mit ihr nahm die Entwicklung des Ortes zur Sportstadt mit über 70 aktiven Sportvereinen ihren Anfang.
"Bis zum 18. Jahrhundert wurde überhaupt kein Sport getrieben", weiß Gerhard Pomykaj. Denn die Menschen arbeiteten überwiegend als Landwirte und hatten weder Zeit noch Bedarf für körperliche Ertüchtigung über ihren Beruf hinaus.
Erst mit Beginn der Industrialisierung kam zunächst das Turnen "in Mode". Zwischen 1860 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs wuchs die Gummersbacher Bevölkerung geradezu explosionsartig um das Vierfache. "Von daher hatten die überall entstehenden Turnvereine auch einen wichtigen integrativen Charakter", erzählt Jürgen Woelke.
Der Gummersbacher Historiker hat mit Unterstützung von Pomykaj in einem halben Jahr intensiver Arbeit für die Volkshochschule Gummersbach eine Ausstellung erarbeitet, die die Entwicklung des Sports in der Kreisstadt beleuchtet. Am Mittwochabend wurde sie durch Bürgermeister Frank Helmenstein eröffnet.
Bestand im 19. Jahrhundert Sport im Wesentlichen aus dem klassischen Turnen, kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts weitere Sportarten dazu. So wurde 1907 der erste Gummersbacher Schwimmverein gegründet, populär wurden sehr bald auch Fußball und natürlich der Handball: 1937 wurde aus dem GTV der VfL, dessen Handballer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit großen nationalen und internationalen Erfolgen zu Weltruhm gelangten.
Übrigens: Nicht nur Handball war früher eine Feldsportart. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde Sport überwiegend "outdoor" betrieben. Nur wenn es gar nicht anders ging, wichen die Turner in Wirtshaussäle aus. "Erst in den 60-er Jahren wurden in großem Stil Turn- und Sporthallen gebaut", berichtet Jürgen Woelke. In dieser Zeit begann auch der "Import" modernerer Sportarten aus aller Welt, die inzwischen selbstverständlich zum Angebot vieler Vereine gehören und sie für breite Bevölkerungsschichten bis heute attraktiv machen.
Die Sportausstellung ist übrigens das letzte große gemeinsame Projekt von Woelke und Pomykaj. "Nach 40 Jahren intensiver Beschäftigung mit der Gummersbacher Geschichte ist es für mich Zeit, etwas kürzer zu treten", sagt Jürgen Woelke und lässt sich gleich noch ein kleines Hintertürchen offen: "Man soll niemals nie sagen, aber in der bisherigen Regelmäßigkeit wird es unsere Ausstellungen und Vorträge nicht mehr geben."





