- Chancen für gewerbliche Nutzungen auf dem Steinmüllergelände
- Der städtebauliche Rahmenplan und die Bedeutung der Verbindungen
- Die äußere Erschließung
- Die Nutzungsperspektive und die Beurteilung der Einzelhandelssituation
- Besucherverhalten zwischen neuen und traditionellen Einkaufsstandorten
Die Entwicklung des ehemaligen "Steinmüller-Geländes" im direkten Umfeld der Gummersbacher Innenstadt ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben von Stadt und Region. Ziel ist es, mit der Revitalisierung des Steinmüllergeländes einen unverwechselbaren regionalen Kristallisationspunkt zu schaffen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Strahlkraft des künftigen Nutzungsprofils ebenso wie an die Qualität von Städtebau, Architektur, und Freiraum.
Weitere Informationen zum Projekt und zum Wettbewerb unter stadt:impuls gummersbach
Nach 125 Jahren endete mit der Insolvenz der letzten Eigentümerin im Jahr 2000 die Geschichte des kessel- und Anlagenbauers L. & C. Steinmüller in Gummersbach. Als Konsequenz fiel ein ca. 180.000 m² großes, überwiegend mit Gewerbehallen unterschiedlichen Alters bebautes Gelände in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt Gummersbach brach.
Nachdem die Stadt den Niedergang ihres größten und bedeutendsten Unternehmens sowie den damit verbundenen Verlust von tausenden Arbeitsplätzen weitgehend ohne Einflussmöglichkeiten hinnehmen musste, hat die Stadt Gummersbach das gesamte Gelände im Juli 2002 im Wege der Ausübung des Vorkaufsrechts erworben, um die zukünftige Entwicklung des Standortes aktiv steuern zu können.
Erst mit dem Erwerb verschaffte sich die Stadt die von der Firma Babcock verweigerte Betretungsmöglichkeit des Geländes. Diese war aber notwendig für die Erstellung wichtiger Gutachten wie z. B. über die Altlastensituation und die Bodenbeschaffenheit, die wiederum wichtige Planungsinformationen darstellen.
Chancen für gewerbliche Nutzungen auf dem Steinmüllergelände
Natürlich gibt es Stimmen, die meinen, die gesamte Fläche sollte zukünftig für die Ansiedlung von Gewerbe genutzt werden. Hierzu muss angemerkt werden, dass die Veräußerung der Gesamtfläche an einen gewerblichen Nutzer unrealistisch ist, weil die über Jahrzehnte gewachsene Struktur der Industriehallen kaum in die Produktions- und Materialflusskonzepte anderer Unternehmen passt. Bei Planung eines kommunalen Gewerbegebiets müssten Erschließungsstraßen wie Ver- und Entsorgungstrassen neu geplant und gebaut werden. Die dafür anfallenden Kosten in Verbindung mit dem von der Stadt bezahlten Kaufpreis für das gesamte Areal würden zu Gewerbegebietspreisen führen, die für produzierendes Gewerbe kaum konkurrenzfähig wären. Zudem würde die Ausnutzbarkeit eines innerstädtischen Gewerbegebiets durch die Immissionsschutzansprüche der benachbarten Wohngebiete eingeschränkt. Auch sprechen die Standortanforderungen von produzierenden Betrieben, die Gewerbegebiete in unmittelbarer Nähe von Autobahnen oder schnellen Bundesstraßen bevorzugen, gegen eine rein gewerbliche Nutzung des Steinmüllergeländes. Für die gewerbliche Weiterentwicklung der Stadt stehen heute die Gewerbegebiete in Windhagen-West und in Zukunft in Herreshagen-Sonnenberg zur Verfügung.
Der städtebauliche Rahmenplan und die Bedeutung der Verbindungen

Der für das Steinmüllergelände erstellte städtebauliche Rahmenplan sieht deshalb die Entwicklungschancen hauptsächlich in Nutzungen, die die Innenstadt ergänzen. Es hat sich gezeigt, dass der Rahmenplan flexibel genug ist, um auf aktuelle Bedürfnisse und Anfragen zu reagieren, Dies hat das Beispiel des Neubaus der Fachhochschule gezeigt.
In der Rahmenplanung für das ehemalige Steinmüller-Gelände wurden, basierend auf dem Siegerentwurf des Büros Lex Kerfers Landschaftsarchitekten aus München im freiraumplanerischen Wettbewerb 2005 in Kooperation mit dem Büro scheuvens + wachten aus Dortmund, Nutzungsszenarien und Typologien zur Entwicklung der Hauptbaufelder festgeschrieben. Es wurden aber auch Strukturen entwickelt, die ein stabiles Gerüst an öffentlichen Räumen darstellen und auch unabhängig von Einzelentwicklungen auf der Fläche im Stadtgefüge wichtige Verbindungsfunktionen übernehmen. Nach der Rahmenplanung ergibt sich eine wichtige Anbindung des Steinmüllergeländes an die Innenstadt durch die Verlängerung der Kampstraße. Hier sollen auch die Einzelhandelsnutzungen der Innenstadt und des Geländes möglichst eng miteinander verknüpft werden. Weitere Verbindungen ergeben sich im Bereich Brückenstraße – Andienungsstraße – Fabrikstraße, dem bereits umgestalteten „Nordtor“ und vom zukünftigen Haltepunkt der Eisenbahnlinie. Diese Verbindung ist von großer Bedeutung für den Campus Gummersbach der Fachhochschule. Diese Verbindung ist zum Start des Campusbetriebes bereits durch eine provisorische Brücke hergestellt worden.
Die öffentlichen Räume, Straßen, Plätze und Freianlagen dienen in diesem Konzept als Gerüst und Vernetzungselement gleichermaßen. Darüber hinaus bilden sie mit hohen gestalterischen und funktionalen Ansprüchen einen wichtigen Qualitätsbaustein zur Profilierung der neuen Adresse „Steinmüller“ als hochwertige Gewerbefläche. Der zentrale Freiraum in diesem Konzept, die „EXPO“ mit der Halle 32 als wichtigem Ankerpunkt, bildet die wichtigste fußläufige Verbindung vom neugestaltetem Eingang aus der Innenstadt im Norden über die neue Fachhochschule im Süden bis in die Rospe. Die „EXPO“ soll autofrei bleiben. Die Fahrerschließung der einzelnen Grundstücke erfolgt über eine beidseitig befahrbare Ringsstraße, die neue „Steinmüllerallee“. Mit einem durchgehenden Baumbesatz wird auch hier der hochwertige Charakter des Quartiers weiter ausgebaut.
Der rechts abgebildete Rahmenplan zeigt EINE mögliche bauliche Entwicklung der Fläche im Endausbau. Das bedeutet, dass hier nur exemplarisch die Aufteilung der Grundstücke und die Verteilung der Baukörper dargestellt ist, wie sie nach den städtebaulichen und gestalterischen Vorgaben möglich wäre. Das Konzept des Rahmenplans kann je nach Ansiedlungsinteresse innerhalb der Baufelder flexibel auf die von Investoren gestellten Anforderungen und Bedürfnisse reagieren.
Ein wichtiger Baustein der Entwicklung des Steinmüllergeländes ist die Errichtung eines innerstädtischen Einkaufszentrums im Bahnbogen als Ergänzung zur Innenstadt. Die EU-weite Ausschreibung zur Planung und Errichtung eines innerstädtischen Einkaufszentrums ist erfolgt. Die eingegangenen Teilnahmeanträge potentieller Bieter werden aktuell geprüft.
Die äußere Erschließung
Das riesige Steinmüllergelände bedarf bei den vorgesehenen Nutzungen einer deutlich verbesserten äußeren Erschließung.
Dafür soll der vorhandene Halbring Karlstraße – La Roche Sur Yon-Straße – Reininghauserstraße – Brückenstraße über die Rospestraße und eine neue Straße über das Steinmüllergelände im Bereich Wilhelm-Breckow-Allee/Bahnhofstraße/Busbahnhof zu einem echten Ring geschlossen werden.
Die Nutzungsperspektive und die Beurteilung der Einzelhandelssituation
Im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht die Nutzung des Bahnbogens. Das Nachdenken hatte schon lang vor dem Erwerb des Geländes durch die Stadt begonnen. Erste Beiträge lieferte ein Nutzungs- und Verwertungskonzept der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen, die ein Potenzial insbesondere für Einzelhandelsnutzungen erkannte. Auch ein Workshop mit Stadtverwaltung, Ratsvertretern und Vorstand der Innenstadtgemeinschaft führte im Frühjahr 2001 zu der Erkenntnis, dass die Gummersbacher Innenstadt neue starke Einzelhandelsimpulse braucht. Da solche Impulse in der Regel nicht aus dem ansässigen Handel heraus kommen (können), bedarf es externen Engagements.
Diese grundsätzlichen Erkenntnisse wurden quantitativ belegt durch einen Vergleich wesentlicher Analysedaten für Gummersbach aus dem Regionalen Einzelhandelskonzept für den Oberbergischen Kreis aus 2000 mit den Daten des städtischen Einzelhandelskonzepts aus 1985. Innerhalb von 15 Jahren ging die Gummersbacher Kaufkraftbindungsquote insgesamt von 85 % auf 77 % zurück. Für die Sortimente, die für die Innenstadt besonders bedeutsam sind, waren die Rückgänge noch deutlicher; am stärksten bei der innerstädtischen Leitbranche Bekleidung. Dort verringerte sich die Kaufkraftbindungsquote von 79 % auf 56 %. In diesen Zahlen zeigt sich, dass die Gummersbacher Innenstadt neue Konkurrenz bekommen hat. Neben dem klassischen Einkaufsziel Köln sucht der Gummersbacher verstärkt auch Lüdenscheid und Siegen auf. Die Ursache ist sicher in der Attraktivität der dort entstandenen Einkaufzentren zu suchen. Diese Entwicklung scheint durchaus weiter zugehen. Die jährlich von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) veröffentlichten Zentralitätsziffern waren für Gummersbach in den letzten Jahren rückläufig. So sank die gemessene Zentralität von 127 Punkten im Jahr 2000 auf 120 Punkte im Jahr 2003. 100 Punkte bedeuten, dass die vor Ort getätigten Umsätze im Einzelhandel der vor Ort vorhandenen Kaufkraft entsprechen, Werte über 100 Punkte zeigen, dass der Stadt Kaufkraft von Außen zufließt. Nun ist ein Zentralitätswert von 120 Punkten nicht schlecht. Dies zeigt auch ein Blick auf den Vergleichswert des Oberbergischen Kreises insgesamt, der im Jahr 2003 nur eine Zentralität von 87 Punkten hatte. Für Gummersbach muss aber die negative Entwicklung der Zentralitätswerte Anlass zum Nachdenken geben.
Dabei ist die Kaufkraft in Gummersbach durchaus vorhanden. Die GfK hat für 2003 für Gummersbach eine einzelhandelsrelevante Kaufkraft von 5.458 € pro Person ermittelt. Dieser Wert liegt um fast 5 % über dem bundesdeutschen Durchschnittswert von 5.213 € pro Person.
Besucherverhalten zwischen neuen und traditionellen Einkaufsstandorten
Einkaufszentren wirken an jedem Standort anders. Dennoch sind als Ergebnis einer breit angelegten empirischen Studie in Bayern zum Besucherverhalten zwischen neuen und traditionellen Einkaufsstandorten wichtige Aussagen möglich:
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Der Anteil der Besucher, der seit der Eröffnung eines Einkaufszentrums in der betreffenden Stadt einkauft, wird größer. Dies gilt sowohl für Besuche in der „alten“ Innenstadt als auch im Einkaufszentrum und es gilt für die Stadtbewohner wie die Umlandbewohner.
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Etwa die Hälfte aller Besucher sucht im Rahmen eines Besuchs sowohl die „alte“ Innenstadt wie das Einkaufszentrum auf. Dies sind sogenannte Koppler.
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Der Anteil der Besucher, der ein Einkaufszentrum als Bereicherung für die Stadt ansieht, liegt sowohl in der "„alten" Innenstadt als auch im Einkaufszentrum über 80 %.
Für die Zukunft kommt es in Gummersbach darauf an, gemeinsame Ziele zu entwickeln und an deren Umsetzung zu arbeiten. Das gilt für die Stadt – sprich Rat und Verwaltung – sowie für Immobilieneigentümer und Händlerschaft in der Innenstadt. Vorstellungen zur Entwicklung der Innenstadt sind so zu vermitteln, dass sie von vielen getragen werden und den Glauben an den Standort stärken.




