Erzförderung
Erzförderung und Eisenverarbeitung entlang der Aggerschiene waren die Grundlage für das Entstehen eines Landbürgertums im ausgehenden 18. Jahrhundert (hier: Ölchens Hammer, um 1920).

Haus König
Auch der Erbauer von Haus König, Joh. Peter König (1723-1802), war Besitzer mehrerer Hammerwerke (Photo um 1910).

Ab 1750 entstand in Gummersbach ein Landbürgertum. Die Grundlage war die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung im gewerblich-kaufmännischen Bereich (Hammerwerke, Handelshäuser u.a.). Die Reidemeister (Hammerwerksbesitzer) und Kaufleute waren nicht allein ökonomisch ausgerichtet, sondern auch den Gedanken der Aufklärung gegenüber aufgeschlossen. Dies wird besonders deutlich an der Gründung der Rektoratschule - der ersten höheren Schule des Ortes - im Jahre 1764, die durch Spenden aus allen Bauernschaften des Kirchspiels Gummersbach finanziert wurde und deren erste Rektoren stark den Idealen der Aufklärung verpflichtet waren.

Auch wenn der Adel als Reibungspunkt vor Ort weitgehend fehlte, war diese - allerdings relativ schmale - Schicht der Gummersbacher Besitz- und Bildungsbürger bestrebt, bürgerliches Selbstbewusstsein zu demonstrieren. Hierzu gehörte zum Ende des 18. Jahrhunderts auch der Bau repräsentativer Wohnhäuser im Kirchdorf. In der 1811 gegründeten Gesellschaft „Zur Eintracht“ - dem ersten Verein in der Region - wurden die bereits zuvor bestehenden engen gesellschaftlichen Kontakte in der bürgerlichen Form des Vereins verfestigt, und es erfolgte in diesem Rahmen ein ständiger, täglicher Austausch - auch durch Lektüre auswärtiger Zeitungen - über allgemeine, nicht nur lokale Themen.

Derschlager Schule
Die um 1780 errichtete Derschlager Schule (gezeichnet von Th. Braeucker um 1850)

Gummersbacher Kirchspielschule
Die um 1800 erbaute Gummersbacher Kirchspielschule (um 1910)

Q: Zielsetzungen der Rektoratschule zur kaufmännischen
Ausbildung („Handlungswissenschaften“) und zum
Religionsunterricht im Jahre 1785

Der Rektor Johann Christoph Heuser schreibt in seiner „Nachricht von der Rektoratschule in Gummersbach“ über die angestrebte anspruchsvolle Kaufmannsausbildung:

... Nie war das Kommerzwesen ausgebreiteter und wichtiger, nie wurde es mehr kultiviert und geschätzt als in unsern Tagen, wo die Handlung zu den edelsten und glücklichen Erwerbsmitteln gerechnet wird, und wo kein Mensch mehr den Grundsatz bezweifelt, daß sie die Menschen mehr mit einander verbindet, sie einander näherbringt, und eben dadurch den Menschen die Mitteilung ihrer Einsichten, ihrer Erfindungen und Entdeckungen, ihrer Güter und Vorzüge erleichtert ... Ein vollkommener Kaufmann - wozu meine zur Handlung bestimmten Zöglinge ganz an Kopf und Herz zu bilden mein seligstes Bestreben ist - ist nach meinem Ideal, das ich mir entworfen habe, und worauf ich arbeite, ein Mann, der nicht blos seine Handlungsgeschäfte mit Fleis und Einsicht betreibt, sondern auch durch angenehme und feine Sitte zum Umgange mit dem angesehenen und feinern Theile des Publikums brauchbar ist. Er muß seinen Verstand durch Nachdenken geübt und mit nützlichen und solchen Kenntnissen bereichert haben, die sich auf sein Geschäft und Unternehmungen beziehen. Er muß die Dinge kennen, mit denen er es täglich zu thun hat, ihre Natur und Beschaffenheit, ihren Nutzen, ihren Gebrauch, ihre Abänderungen und Verwandlungen, ihren Einfluß in das allgemeine Wohl der Gesellschaft; die Art und Weise wissen, wie sie erzeuget, gewonnen, verarbeitet, veredelet, angewandt werden, er muß den Zustand der Länder und Völker kennen, mit denen er durch Geschäfte, mittelbar und unmittelbarer Weise in Verbindung steht. ... Er muß fähig sein, sich im Briefe und mündlichen Ausdruck bestimmt und angenehm verständlich zu machen, um auch mit andern Nationen einen Briefwechsel führen zu können, wenigstens der französischen Sprache mächtig sein. ...

Der aufklärerische Rationalismus des Rektors Heuser wird im Ziel des Religionsunterrichts deutlich:

... Richtige und deutliche Begriffe von ihrem Inhalt, von ihren Absichten, von ihren Lehren, Vorschriften und Verheissungen, suche ich den Kindern beizubringen. Denn die Religion wirket nicht gleich einem magischen Mittel, ohne unser Zuthun oder unser Wissen auf den Menschen; sie thut solches nur, in so weit der Mensch sie kennet, darüber nachdenket und sie wirklich gebraucht. ...

Beide Texte aus: Heuser, Johann Christoph, zit. in.: Schulze, Bruno: Geschichte der höheren Schule in Gummersbach, Gummersbach 1915, S. 49ff.

Schrift

Eine ganz im aufklärerischen Sinn gehaltene Schrift aus dem Jahre 1766 von Carl Christoph Reiche, dem ersten Rektor der zwei Jahre zuvor gegründeten Gummersbacher Höheren Schule, der sogen. Rektoratschule

Q: Charakterisierungen der Einwohner der Reichsherrschaft
Gimborn-Neustadt im Jahre 1781

... Liebe für sein Vaterland treibt er (der Untertan, Anm. d. Verf.) bis zum Stolzsein darauf, denn er spricht mit Vergnügen davon, daß er in einem Freiländchen wohne. Er verehrt seinen Landesherrn und liebt seine Obrigkeit, die ihn gewiß vorsichtig zu behandeln hat, denn er wacht sehr über seine vermeinte Gerechtsame. Es sind geringe Leute, die einem Reisenden beim Hin- und Herfragen bald von ihrem Landvergleich vom Jahre 1658 erzählen, den man für die einzige Norm der Landesregierung ausgeben will. ...

Aus: Ruland: Versuch einer generalen Beschreibung der im Westphälischen belegenen Hoch-Fürstlichen Schwarzenbergischen unmittelbaren Freien Reichsherrschaft Gimborn Neustadt, Ms. 1781 Depositum im Archiv des Oberbergischen Kreises

... Es nehmen die processüchtigen Unterthanen täglich Gelegenheit ihrem Landesherren jede noch so gut fundierte Gerechtigkeit zu bestreiten und daher bald an den herzoglich clevischen Lehenhof, bald an das Ministerium der Grafschaft Mark und zum öfteren auch an das kayserliche Reichskammergericht zu recurriren, weshalb zwischen meinem fürstlichen Haus und gedachten Unterthanen mehrere Processe schweben. ...

Aus: Der Landesherr Fürst Josef Adam von Schwarzenberg 1780, zit. in: Pomykaj, Gerhard: Gummersbacher Geschichte, Bd.1, a.a.O., S. 203

"Die Eingesessenen leben in einer völligen persönlichen Freiheit und kennen keine Art eines Zwanges. An ihre einförmige Lebens-Art gewöhnt, scheuen sie alle Veränderungen und besonders den mit ihrer Lebens- und Denkungs-Art so wenig übereinstimmenden Militär-Stand."

Aus: Bericht einer Preußischen Regierungskommission 1790, zit. in: Pomykaj, Gerhard: Gummersbacher Geschichte, Bd.1, a.a.O., S. 211

1753

Brand im Kirchdorf Gummersbach; ca. 20 Häuser werden vernichtet.

1753

Fertigstellung des Pastorats und Bau der ersten Wasserleitung

1756-1763

Siebenjähriger Krieg (3. Schlesischer Krieg)

1764

Gründung der Rektoratschule

1782

Fürst Johann Nepomuk von Schwarzenberg verkauft die Reichsherrschaft Gimborn - Neustadt an Graf Ludwig Johann von Wallmoden

1787

Bau von Haus König

1789

Französische Revolution

1792

Bau von Haus Heuser im Baumhof

1792-1797

1. Koalitionskrieg gegen französische Revolutionstruppen

 

weiter mit Franzosenzeit (1806-1813)