Das Haus in der Marktstraße 15 in Gummersbach hat eine lange und sehr bewegte Geschichte. Im Herbst1980 war das mehrere Jahrhunderte alte Haus sehr heruntergekommen und sollte abgerissen werden.
Dagegen wehrten sich die "Initiative zur Erhaltung des Hauses Marktstraße 15" und besetzte am 5. Juni 1980 das Haus einfach, um den Wohnraum und das alte Gebäude zu erhalten. Das war die erste Hausbesetzung in Gummersbach. Weitere sollten noch folgen.
Salvatore Munda kaufte das Haus, wodurch der Abriss und auch die Besetzung abgewendet werden konnten. Munda sanierte das Gebäude und fand dabei einen kleinen versteckten Schatz, dessen Stücke zum Teil aus der Bauzeit des Gebäudes stammten. Hinter einem Balken im Dachgeschoss des Hauses entdeckte er das große und kleine Notarssiegel des Notars Johann Adam Baltes, einen preußischen Silbergroschen von 1861 und eine Zwei-Stüber Münze von 1772. Im Lehm der Innenwand direkt beim Eingang des Hauses steckte eine Drei-Pfennig Münze aus der Stadt Hamm von 1732. Diese Münze, so vermuten Experten, wurde beim Bau des Gebäudes dort absichtlich eingemauert, vielleicht als Glücksbringer. So kann man heute in etwa die Bauzeit des Hauses auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts um 1735 datieren. Unter dem Haus befindet sich ein Gewölbekeller, der aber vermutlich älter ist und darauf hin deutet, dass dieser Ort schon vorher bebaut war.
Der Notar Johann Adam Baltes war der älteste Sohn des 1674 geborenen Schöffen und Kirchmeisters Johann Hermann Baltes und kam vermutlich um 1700 zu Welt. Sein Vater bewohnte das von ihm errichtete Haus in der Marktstraße 10 direkt an der damaligen Hauptstraße von Gummersbach. Johann Adam Baltes baute sein Haus also in direkter Nachbarschaft zu seinen Eltern in der Marktstraße 15. Aber nicht nur in Nachbarschaft zu seinen Eltern sondern auch direkt am sogenannten "Schöppenstuhl", dem Platz, wo jeweils dienstags das Vogteigericht zusammentrat. Der Vogt, der in Vertretung des Landesherrn in Gummersbach die Rechtsprechung wahrnahm, kam hier mit mindesten zwei und bis zu 12 Schöffen zusammen. Der Notar Johann Adam Baltes vertrat die Bürgerinnen und Bürger als Anwalt vor diesem Gericht.
Anfang des 19. Jahrhunderts wohnte in dem Haus in der Marktstraße 15 die Familie Thiel bis Christian Thiel das Haus des Landrates von Garenfeld auf der heutigen Kaiserstraße kaufte und dort das spätere Hotel Thiel baute (heute Commerzbank). Das Haus in der Marktstraße 15 ging an Christian Müller. Sein Sohn Daniel Müller wurde dort geboren. Daniel Müller führte 1857 als erster die Verarbeitung von Kunstwolle auf Rundwebstühlen in Gummersbach ein und wurde damit enorm reich. Seinen Wohlstand sieht man heute noch an dem Wohnhaus, das er sich in der Alten-Rathausstraße baute, das spätere erste Rathaus der Stadt Gummersbach.
Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Haus in der Marktstraße 15 Gottlieb Hoestermann, der mit einer Tochter von Lebrecht Steinmüller verheiratet war. Sein Sohn Dr. Gottlieb Hoestermann jr. betrieb später seine Praxis hier. Das Haus kam in den Besitz der Firma Steinmüller, die es zu einem Wohnhaus für Werksmitarbeiter umfunktionierte. Die Firma Steinmüller pflegte das Haus aber nicht und ließ es heruntergekommen. Vermutlich wollte die Firma das seit 1974 denkmalgeschützte Gebäude später als baufällig abreißen und dort neu bauen. Seit 1978 war das Haus unbewohnt. Miet- und Kaufanfragen bei der Firma Steinmüller wurden abgewiesen. Anfang Dezember 1980 kaufte Salvatore Munda das Haus von der Firma Steinmüller. Die Forderung der Hausbesetzer, das Haus zu erhalten, war dadurch erfüllt und sie gaben die Besetzung des Hauses am 5. Dezember 1980 auf. Munda sanierte in der Folge das Haus und richtete dort ein italienisches Restaurant ein, das heute immer noch besteht.
2023 übergab Salvatore Munda dem Stadtarchiv Gummersbach seinen Schatz, den er bei der Sanierung des Hauses in der Marktstraße gefunden hatte und dann über 40 Jahre gut aufbewahrt hatte.