Turn, Spiel und Sport - Wie Gummersbach zum Handball kam.
Am 29. März 1925 wurde in Engelskirchen Sportgeschichte geschrieben. Erstmalig trat eine Mannschaft des Gummersbacher Turnvereins GTV zu einem Handballspiel an. Die Volkszeitung für das Rheinland und Westfalen berichtete einen Tag später über dieses Spiel folgendes:
„Engelskirchen – Gummersbach 7:0
Trotz Regen und Schnee traten am Sonntag die Gummersbacher Mannschaft des G.T.V. in Engelskirchen zu dem fälligen Spiele an. Das Ergebnis wundert wohl niemand; denn Gummersbach lieferte mit diesem Spiele ihr erstes Spiel und zwar ohne jeden Training. Trotzdem verlief das Spiel bis zum Schluss gut und einwandfrei, trotz des Schlammes auf dem Platze. Die beiden gegenüberstehenden Vereine benahmen sich, was Führung anbelangt, tadellos. Gummersbach wird gerne wieder gegen Engelskirchen spielen.“
Der Gummersbacher Turnverein hatte sich am 3. März 1861 als klassischer Turnverein im Sinne der Turnerbewegung des Turnvaters Jahn gegründet. Die ausschließlich männlichen Mitglieder übten Geräte- und Bodenturnen und widmeten sich auch politischen Themen. Die Einigung Deutschlands zu einer Nation war das prägende Thema dieser Zeit. Zu seinem 50 jährigen Bestehen stiftete der Gummersbacher Turnverein der Stadt ein Denkmal im Hexenbusch und auch hier ist das Relief des Turnvaters Jahn noch verewigt. 1912, also sieben Jahre vor der Einführung des Wahlrechtes für Frauen im Deutschen Reich, gründete sich eine Damenturnriege innerhalb des Gummersbacher Turnvereins. Jahrzehnte wurde diese Damenturnriege von Johanna Butenuth geleitet. Nachdem die Frauen Jahrzehnte lang nur Trikots oder Fahnen nähen durften, konnten sie nun auch aktiver im Turnverein Sport treiben.
Um die Jahrhundertwende kamen aus England Trendsportarten nach Deutschland wie Fußball, Faustball und Feldhandball. Anfang der 1920er Jahre gründeten sich auch im Oberbergischen die ersten Handballvereine. Gespielt wurde damals Feldhandball also auf einem Platz und nicht wie heute in einer Halle. Die Handballmannschaft des Gummersbacher Turnvereins ist nicht durch den Verein selbst gegründet worden. Im Protokoll der Mitgliederversammlung vom Februar 1925 ist Handball gar kein Thema. Einige junge Männer schlossen sich offenbar zusammen, um gemeinsam Handball zu spielen. Ende März 1925 konnten sie es laut Zeitungsbericht nicht wirklich gut aber der 29. März 1925 gilt heute als das offizielle Gründungsereignis der Handballmannschaft des Gummersbacher Turnvereins. Mitglieder der ersten Handballmannschaft 1925 / 1926 waren Paul Erlinghagen, Georg Kettner, Paul Pickhardt, Willi Lange, Werner Dannenberg, Adolf Kiesler, Theo Sachs, Ernst Sattler, Rudolf Schöneborn, Martin Röttger, Werner Heinisch, Dr. Paul Alberts, Otto Kaufmann, Paul Wirths, Erich Bürger, Friedrich Habermas. Alle waren zwischen 20 und 25 Jahre alt und spielten vorher Faustball oder waren Turner gewesen. Sie trainierten offenbar fleißig, denn am 26. April 1925 gewann der Gummersbacher Turnverein 4:3 gegen den TV Derschlag. Am 9. Februar 1926 berichtete dann Werner Dannenberg als Spielwart ausführlich in der Jahreshauptversammlung über das vergangene Spieljahr 1925. 1935 feierte der GTV mit dem HABARU, dem Handball Rummel, das 10 jährige Bestehen seiner Handballmannschaft.
Den Namen „Verein für Leibesübungen“ also VfL bekam der Sportverein erst 1937. Nachdem 1936 in Berlin die olympischen Sommerspiele und in Garmisch-Partenkirchen die olympischen Winterspiele stattgefunden hatten, versuchten die Nationalsozialisten die örtlichen Sportvereine gleichzuschalten. Auch auf die Gummersbacher Sportvereine wuchs der Druck seitens der Nationalsozialisten. So schlossen sich, propagandistisch vom Oberbergischen Boten ausgeschlachtet, die vier Gummersbacher Sportvereine Gummersbacher Turnverein, Spiel- und Sportverein, Schwimmverein und Tennisclub in einer außerordentlichen Sitzung am 28. Januar 1937 gezwungenermaßen zum Verein für Leibesübungen zusammen. Als Vereinsführer des neuen Großvereins wurde der ehemalige Handballer Dr. Paul Alberts ohne Wahl ernannt. Stellvertretender Vereinsführer wurde Felix Kogel. Der Verein wurde in vier
Abteilungen eingeteilt. Handball kam zusammen mit Turnen, Gymnastik und Sommerspiele in die Abteilung 1. Nach einer Spielpause während des Zweiten Weltkriegs gründete sich der VfL Gummersbach am 29. September 1945 neu. Dr. Paul Alberts übernahm bis 1953 wieder den Vorsitz des Vereins, dessen Handballabteilung nun voll durchstartete. Der VfL Gummersbach stieg in den folgenden Jahrzehnten zu einer festen Größe im Handball auf.
Foto: Stadtarchiv, 1911_GTV_Hexenbusch
Foto: Stadtarchiv, 1912_Damenturnriege
Foto: Stadtarchiv, 1920er_Jahre_Feldhandball
Foto: Stadtarchiv, 1937_Zusammenschluss_VFL