Er war ein außergewöhnlicher und mutiger Geschäftsmann und zugleich eine schillernde Persönlichkeit: Herbert Eklöh. Am Ende seines Lebens gehörte Herbert Eklöh ein Imperium an Einzelhandelsgeschäften und er war einer der reichsten Menschen Deutschlands. Mexiko hatte ihn zum Generalkonsul ernannt und im Einzelhandel gilt er als Vater der Supermärkte. Er legte den Grundstein für die Douglas Holding AG, bis zu ihrer Auflösung 2017 mit rund 3,44 Mrd. Euro Jahresumsatz eine der größten Holdings in Deutschland war und zu der die Hussel-Confiserien, die Parfümerie Douglas, der Sortimentsbuchhandel Thalia Buchhandel, der Schmuckhändler Christ sowie die Damenmodemarke Appelrath-Cüpper gehörten. Doch seine Anfänge als Kaufmann hatte Herbert Eklöh in Gummersbach, wo er im Ladenlokal des ehemaligen Hotel Thiel auf der Kaiserstraße am 27. Juli 1928 ein "Modernes Lebensmittelgeschäft" eröffnete.1

Eigentlich stammte Herbert Eklöh aus Bochum, wo er am 3. März 1905 geboren wurde. Er war kein guter Schüler und bestand die Mittlere Reife nur mit großen Schwierigkeiten. Danach machte er eine Ausbildung zum Drogeristen und kam nach seiner Lehre nach Gummersbach. Mit 23 Jahren übernahm er ein kleines Lebensmittel- und Delikatessengeschäft, das zuvor Wilhelm Baum im Hotel Thiel betrieben hatte.2 Der Laden gehörte zum Hotel Thiel, das direkt neben der Commerzbank stand. Die Familie Heinrich hatten den gesamten Komplex 1913 gekauft und bauten das Hotel Thiel dann in das erste Kino Gummersbachs das "Central-Theater" um. Die Familie Heinrich war dementsprechend der Vermieter von Herbert Eklöh. Herbert Eklöh hatte in seinem Geschäft ein sehr umfangreiches Angebot, das von frischem Fleisch und Seefisch bis hin zu Lebensmitteln, Spielsachen, Weihnachtsbaumschmuck und Wein reichte. Schnell entwickelte sich das „Ei vom Eklöh“ zum geflügelten Wort in Gummersbach. Bis Juli 1929 hatte Eklöh zwei weitere Filialen in Wiehl und Oberwiehl eröffnet. Eine weitere Filiale folgte bis Oktober 1929 in Engelskirchen-Hardt. Er warb in der Gummersbacher Zeitung über Anzeigen mit Gutscheinen, Rabatten, Sonderverkäufen und kleinen Präsenten. Mitte 1932 betrieb er drei Filialen und zwar in Gummersbach, Bergneustadt und Wiehl. Am 10. November 1932 übertrug Herbert Eklöh seine Geschäfte in Gummersbach, Bergneustadt und Wiehl an die Michael Brücken AG aus Hagen.3 Diese führte die Geschäfte zunächst im gleichen Stil weiter. 1935 durfte die Michael Brücken AG den Laden auf der Kaiserstraße wegen erheblicher baulicher Mängel nicht mehr weiter nutzen.

Eklöh ging mit dem Erlös des Verkaufs in die Vereinigten Staaten und lernte dort ein völlig neues Konzept für Lebensmittel- und Einzelhandelsgeschäfte kennen: den Selbstbedienungsmarkt. Er kam zurück nach Deutschland und eröffnete 1933 in Osnabrück an der Großen Straße wieder ein Einzelhandelsgeschäft. 1933 begannen die Nationalsozialisten mit der sogenannten Arisierung jüdischer Geschäfte. Sie enteigneten jüdische Inhaber und übertrugen die Geschäfte auf „arische“ Geschäftsführer. Eklöh erwarb 1934 von jüdischen Bekannten in diesem Zusammenhang die Edelweiß Ölgesellschaft in Oggersheim und Ludwigshafen, die er im November 1935 neu eröffnete. Im gleichen Jahr verfasste Eklöh einen Brief an dem Vorstand der Kaufhof AG in Köln. Er schrieb, dass Kaufhof in seinen Häusern zwar Lebensmittel anbietet, aber aber von dieser Spezialbranche so gut wie gar nichts verstehen würde. Der Vorstand nahm den kleinen Kaufmann nicht ganz ernst und war eher amüsiert über den Brief, übertrug Eklöh aber zunächst als Berater dann als Direktor die Lebensmittelabteilung des Kaufhofs. Eklöh konnte den Gewinn dieses Bereichs in kürzester Zeit verdoppeln. Er hielt am Konzept des Supermarktes mit Selbstbedienung fest und eröffnete 1938 in Osnabrück am Jürgensort 6/8 den ersten Lebensmittel-Selbstbedienungsladen in Europa. Eklöh nannte das Konzept der Selbstbedienungsgeschäfte „Ratio-System“ und führte es im gleichen Jahr auch in seinen Geschäften in Ludwigshafen ein.4 Mit dem Ratio-System wollte Elköh die Rationalisierung, die es in der Industrie schon lange gab, auch im Einzelhandel einführen. In seinen Läden gab es daher nur gewogene und verpackte Ware, die in speziellen Warenregalen zum Verkauf angeboten wurden. Der Kunde bedienst sich selbst an den Auslagen und zahl dann an einer Kasse. Die Warenauslage war gestaltet wie ein Schaufenster und sollte dieses auch ersetzen. Dadurch wollte Eklöh Vertriebskosten einsparen, um so seine Waren günstiger anbieten zu können. Doch er war damit seiner Zeit weit voraus und die Kunden nahmen den Selbstbedienungsmarkt nicht an. Sie wollten weiterhin die Bedienung mit Häubchen und weißer Schürze hinter der Theke. Hinzu kamen kurze Zeit später Kriegswirtschaft und Bezugsscheine, weswegen sein Konzept der Selbstbedienungsgeschäfte nicht weiter verfolgt wurde.

Der Görlitzer Wareneinkaufsverein in Dresden, der in Sachsen 110 Läden betrieb, stellte Herbert Eklöh 1939 als Generaldirektor ein. Gleichzeitig betrieb er aber auch eigene Filialgeschäfte, die von Bevollmächtigten geleitet wurden. Eklöh war auch in der nationalsozialistischen Wirtschaftsverwaltung aktiv und hatte als Aufgabe die Enteignung von polnischen bzw. jüdischen Betrieben der besetzen Gebiete in Osteuropa durchzuführen. Nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten die sowjetischen Besatzer in der Sowjetzone sowohl den Görlitzer Wareneinkaufsverein als auch Herbert Eklöh selbst. Er ging Herbert zurück nach Westdeutschland und kam dort schnell wieder auf die Beine. Er gründete erneut Einzelhandelsgeschäfte und übernahm 1953 sogar das Catering der ersten deutschen Nachkriegsmesse in Mexiko. Typisch deutsch bewirtete er die Gäste mit Bier und Würstchen und unterhielt sie mit einer Jodlergruppe. Der Messestand war so ein Erfolg, dass Mexiko Eklöh zum "Konsuls von Mexiko" ernannte. Auf der Rückreise von Mexiko gründete er auf Kuba mehrere Lebensmittelmärkte. Doch vier Wochen, bevor Fiedel Castro Kuba zu einem kommunistischen Staat machte, verkaufte er die Geschäfte an einen Amerikaner. Eklöh eröffnete am 26. September 1957 in der Kölner Rheinlandhalle in Köln Ehrenfeld einen der ersten deutschen Supermärkte. Auf einer Verkaufsfläche von auf 2.000 m² bot er seine Waren an und stellte seinen Kunden 200 Parkplätze vor dem Geschäft zur Verfügung. Eklöh ging es in diesem Geschäft um den Absatz großer Mengen zu möglichst niedrigen Preisen. Er setzte nur in diesem Supermarkt im ersten Jahr bereits 9,2 Millionen DM um. 1958 hatte er 24 Supermärkte aufgebaut und verkaufte sie wie damals in Gummersbach mit Erfolg an ein Konsortium der Warenhauskonzerne Karstadt, Hertie, Kaufhof und Horten. Das Konsortium widmete sich allerdings nicht ernsthaft dem Konzept Supermarkt und wollten mit der Kauf nur eine Übernahme durch einen US-Konzern verhindern.

Mit dem Schweizer Gottlieb Duttweiler finanzierte Herbert Eklöh 1956 die Migros-Klubschulen, die als Sprach- und Bildungszentren Sprachweiterbildungen anboten. Das sollte zum einen die Völkerverständigung fördern aber auch Vorteile für Arbeitnehmer und deren Arbeitergeber bieten. 

Ende 1962 übernahm Herbert Eklöh 95 % der Anteile an der Süßwarenkette Hussel und verkaufte einen Großteil dieser Anteile kurze Zeit später an eine Investmentbank. Die Bank verkaufte die erworbenen Anteile wiederum mit hohem Gewinn an eine Vielzahl ausländischer Investoren. Eklöh hielt über Holdings aber weiterhin 51 % der Aktien und war somit im Besitz des Unternehmens. Er expandierte mit dem Bau eines Zentrallagers für die über 400 Ladengeschäfte. Ende der 1960er Jahre erwarb Eklöh auch die Parfümeriekette Douglas. Sein Sohn wandelte das Unternehmen in einen Beteiligungskonzern um, die spätere Douglas Holding AG. 2016 wurde die Douglas Holding AG an einen Finanzinvestor verkauft. Herbert Eklöh starb am 6. Juli 1978 in Südfrankreich an den Folgen eines Sportunfalls.

 

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1Gewerberegister Stadtarchiv Gummersbach Best. 1 A 4298, Gummersbacher Zeitung vom 27. Juli 1928

2Baum hatte sich 1911 zunächst in Dieringhausen selbstständig gemacht, hatte dann von 1915 bis 1917 ein Geschäft in der Kaiserstraße 70 und von 1917 bis 1920 in der Kaiserstraße 53. Danach machte er sich in dem Ladenlokal in der Kaiserstraße 27 selbstständig.

3Gewerberegister Stadtarchiv Gummersbach Best. 1 A 4298, Volkszeitung vom 10. November 1932

4Zeitschrift „Der Aufstieg“ Nr. 23 vom 15. Dezember 1949.

Herbert Eklöh, Stadtarchiv

Geschäftsübergabe, Stadtarchiv

Ratioladen, Stadtarchiv

Hotel Thiel mit Laden, Stadtarchiv

Eröffnung, Stadtarchiv

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